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Die Hälfte des Internets ist KI-Content und keiner will ihn lesen

Mit Dr. Paul Elvers, FUNKE

17.07.2026PodcastKI-Content
Die Hälfte des Internets ist KI-Content und keiner will ihn lesen | Dr. Paul Elvers, FUNKE

Wenn immer mehr Inhalte künstlich erzeugt werden, wird Verifikation zur Kernkompetenz. In dieser Folge zeigt Dr. Paul Elvers von FUNKE, wie Medienhäuser KI-Fakes prüfen, Teams befähigen und Vertrauen unter Druck sichern.

Das Wichtigste in Kürze

Echt prüfen statt nur vertrauen

FUNKE reagiert auf den Maduro-Vorfall mit geschärften Prozessen: Bildredakteur:innen werden stärker sensibilisiert, klassische KI-Cues wie Schatten, Tiefenschärfe und Fluchtpunktperspektive werden gezielt geprüft, und Kontextchecks kommen dazu. Entscheidend ist nicht nur, ob ein Bild technisch plausibel aussieht, sondern ob es zur Nachrichtenlage passt.

Automatisierung allein löst kein Verifikationsproblem

Neben geschulten Mitarbeitenden baut FUNKE eigene KI-Tools auf, darunter Agenten, die Bilder evaluieren und einen Confidence Score vergeben. Das hilft bei Tempo und Vorprüfung, bleibt aber ein Katz-und-Maus-Spiel, weil neue Modelle und Verfremdungen die Erkennung wieder schwieriger machen.

Vertrauen verschiebt sich zu Personen und Formaten

Wenn der Internet-Content zunehmend KI-generiert ist, gewinnen glaubwürdige Personenmarken, klare journalistische Haltung und wiedererkennbare Formate an Wert. Eine einzelne bekannte Stimme kann Orientierung schaffen, während mittelmäßiger KI-Content immer weniger trägt.

The Big Points

Deepfakes sind alt, das Problem ist neu skaliert

Paul ordnet Deepfakes nicht als frisches Phänomen ein. Unsicherheit darüber, ob ein Bild echt ist, gibt es seit Jahren, aber generative KI hat Reichweite, Geschwindigkeit und Zugänglichkeit massiv erhöht. Für Medienhäuser verschärft das die alte Aufgabe: faktenbasierte Information liefern, obwohl die Echtheit von Material immer schwerer zu erkennen ist.

Der Maduro-Fall macht das konkret. Ein Pressedienst lieferte ein KI-generiertes Bild, das im Eifer des Gefechts zunächst nicht auffiel. Später wurde der Fehler sauber aufgearbeitet, aber die Lehre ist klar: In Krisenlagen zählen Minuten, und genau dann sind Verifikationsfehler am wahrscheinlichsten.

Erkennen braucht Technik, Training und Kontext

Paul beschreibt Verifikation als Mischung aus Maschinenhilfe und journalistischem Handwerk. Wasserzeichen und andere technische Marker sind sinnvoll, aber sie sind kein belastbarer Endpunkt. Wer es ernst meint, muss zusätzlich menschliche Kompetenzen schärfen: Schatten prüfen, Tiefenschärfe lesen, Fluchtpunkte verstehen, Quellen querchecken und prüfen, ob andere Medien dieselbe Szene bestätigen.

Dazu kommt die Kontextfrage. Ein Bild kann formal gut aussehen und trotzdem nicht stimmen. Wenn etwa ein Motiv überhaupt nicht zur bekannten Nachrichtenlage passt, ist das ein starkes Warnsignal. Genau deshalb bleiben Redaktionen auf geschulte Augen angewiesen, auch wenn KI-Tools die Vorarbeit beschleunigen.

Eigene Agenten sollen Redaktionen unterstützen, nicht ersetzen

FUNKE baut neben Training auch eigene KI-gestützte Verifikationsprozesse auf. Die Idee: mehrere Agenten prüfen Bilder, verknüpfen interne Systeme und liefern Einschätzungen mit Confidence Score. Das kann Arbeit abnehmen und den Ablauf beschleunigen, aber es beendet das Problem nicht.

Paul betont das Katz-und-Maus-Spiel. Sobald Erkennungsmodelle besser werden, ziehen Manipulationstechniken nach. Darum braucht es immer beides, technische Vorselektion und geschulte Menschen, die am Ende entscheiden, ob ein Bild belastbar ist.

Europäische Medien stehen unter strukturellem Druck

Im Gespräch wird deutlich, dass Paul die Abhängigkeit europäischer Medien von US-Plattformen und US-Infrastruktur als strategisches Risiko sieht. Große Teile der Sichtbarkeit laufen über Meta, Google und zunehmend KI-Chat-Oberflächen. Wer die Zugänge kontrolliert, beeinflusst auch den Meinungsbildungsprozess.

Dazu kommt ein Datenproblem. KI-Modelle brauchen Daten und Rechenleistung, aber in Rechenzentren wird massiv investiert, während die Frage, wie Daten vergütet werden, offen bleibt. Für Medienhäuser ist das zentral, weil sie Inhalte schaffen, die in Chatbots, Suche und Grounding-Systemen genutzt werden, ohne dass dafür ein klarer Ausgleich existiert.

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